Freitag, 21. Dezember 2012

Freegan.

Ich möchte heute mal über ein etwas allgemeineres Thema sprechen, nämlich über Freeganismus und meine persönlichen Erfahrungen damit.

Fragt man Wikipedia, spuckt es einem folgendes aus:

Freeganismus ist eine politisch motivierte Lebenshaltung, deren Anhänger den eigenen Lebensunterhalt möglichst unabhängig von Konsum zu bestreiten versuchen.

Schon mal eine sehr gute Beschreibung. Aber wie genau soll das funktionieren?
Viele Menschen bauen zB in ihrem Garten eigenes Gemüse an. Sowas könnte man schon dazu zählen, allerdings kann man sich ja auch nicht sein Leben lang nur von Gemüse ernähren, oder sollte es zumindest nicht.
Eine immer bekannter werdene Alternative ist das Containern. Wenn man vom Containern spricht, denken die meisten als erstes an Obdachlose, die kein Geld für Essen haben und es sich daher aus dem Müll suchen. Natürlich kommt sowas - traurigerweise - vor, allerdings ist das nur ein sehr kleiner Teil der Containerer. Ein viel größerer besteht aus Menschen, die unabhängig sein wollen und die auf diese Art gegen unsere Wegwerfgesellschaft protestieren.

Ich persönlich habe vor eineinhalb Jahren damit angefangen.

Meine Beweggründe waren ungewöhnlich und ich habe mich dafür geschämt, aber mit der Zeit habe ich andere kennengelernt, die aus ähnlichen Gründen angefangen haben. Leute, die meinen Blog schon von anfang an lesen, wissen dass meine Bulimie vor ein bis eineinhalb Jahren am schlimmsten war. Durch die Fressanfälle habe ich häufig nach zwei Wochen kein Geld mehr gehabt und musste dann irgendwie über den Monat kommen. Irgendwann fiel mir ein, dass ich mal eine Doku über Menschen, die ihr Essen aus dem Müll holen, gesehen habe. Bei Supermärkten sei wohl sehr viel zu holen, da sie häufig Sachen wegschmeißen, die noch gut sind. Also nachts spontan losgezogen um mir das mal genauer anzuschauen. Gott, war ich nervös. Ich hatte totale Panik erwischt zu werden. Durchgezogen habe ich es dennoch und was ich gefunden habe, hat mich wirklich schockiert. Lebensmittel en masse! Bananen, die eine braune Stelle hatten. Netze mit Äpfeln und Orangen, in denen eine einzige leicht angeschlagen war. Salatköpfe, bei denen ein Blatt leicht welk aussah. Joghurts, die einen Tag über dem Mindeshaltbarkeitsdatum waren. Tüten voller Brötchen, Brot und Brezeln, weil sie am nächsten Morgen nicht mehr tagesfrisch wären. Alle möglichen Dinge, bei denen die Verpackung nicht mehr so schön aussah. Und, und, und.. Oft wusste ich auch gar nicht, wieso etwas weggeworfen wurde. War vielleicht die Kühlkette kurzzeitig unterbrochen? Gab es neue Verpackungen und der alte Kram musste weg? Wurde das Sortiment geändert?
Ich fing dann also an regelmäßig zu containern und bald habe ich mir nur noch die besten Sachen rausgesucht, da mein Kühlschrank eh immer voll war. Salat und Bananen hatte ich immer vorrätig, exotisches Obst war auch häufig dabei. Manchmal gab auch Fertiggerichte. Hin und wieder habe ich Schokolade, Kekse und Pralinen gefunden. Mein bisher größter Fund waren sechs 10er Packs Milchschnitte, ein Karton Balisto, eine Coppenrath & Wiese Torte, bei der die Verpackung leicht verbeult war sowie unzählige Schokodonuts und Berliner. Alles in einem super Zustand.

Bis auf die zweimonatige Unterbrechung während der Klinik letztes Jahr habe ich fast ein Jahr lang so gut wie nie einkaufen müssen. Ausserdem habe ich schon nach kurzer Zeit aus Leidenschaft containert, nicht mehr wegen der Bulimie. Als ich dann mit Svea zusammen gewohnt hatte, habe ich irgendwann aus Bequemlichkeit aufgehört, da sie immer eingekauft hat. Jetzt, wo Svea wieder weg ist, habe ich wieder angefangen. Letzte Nacht war ich das erste Mal wieder los, ganz spontan, und hab mich wieder wirklich erschrocken. Mein kompletter Kühlschrank, welcher vorher leer war(!), ist jetzt gefüllt mit Lebensmitteln im Wert von bestimmt 40€. Und das, obwohl ich nur bei einem einzigen Supermarkt war und nur die Hälfte mitgenommen habe.

Ich habe jetzt also beschlossen, wieder freegan zu leben. Einkaufen werde ich nur noch nicht-containerbare Dinge wie Katzenfutter, Hygieneartikel, etc. Besonders, nachdem ich einen Einblick in diese Welt hatte, kommt es mir einfach falsch vor, einzukaufen. Ich möchte diese Wegwerfgesellschaft nicht noch unterstützen.


So, jetzt würde ich gern mal eure Meinung zu dem Thema hören. Wie steht ihr dazu, was sind eure Gedanken zu dem Thema?
Ich freue mich über Kommentare! ♥

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